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Ein Blitzschlag

Blitzeinschlag Kastanie 1931_32

Blitzeinschlag in eine Kastanie
die neben der Kirche stand
(Das Bild entstand 1931-32)

Ein kurzes, heftiges Gewitter zog gegen10 Uhr über unseren Ort hin. Schon schien es sich ausgetobt zu haben und dieser und jener sagte: „Es ist vorüber“, da knatterte es noch einmal krachend, Blitz und Schlag in Einem „Das hatte eingeschlagen!“ Aber wo? Kein Feuerlärm, kein Feuerschein, also ein so genannter kalter Schlag. Wo mag er getroffen haben? Der folgende Morgen sollte es zeigen. Unser schöner Kirchturm war vom Blitz getroffen worden und außen wie innen arg beschädigt. Wie gesät lagen auf dem Kirchhofe die auf der Nordseite des Turmes herabgerissenen, von dem gewaltigen Luftdrucke 50-80 Meter weit fort geschleuderten Schieferplatten, durchlöchert war die Verschalung. Holzsplitter, Kalkbrocken und aus dem Mauerwerke losgerissene Steine lagen im Inneren in allen Stockwerken von unten bis zur Uhrenkammer hinauf umhergestreut. In der Uhrenkammer selbst war das Uhrengehäuse beschädigt und aus seiner Lage gerückt, das Uhrwerk das trotzdem erst nach einigen Stunden zum Stillstand gekommen war, durch Klemmungen verdrückt, die Dielung zersplittert und auseinandergetrieben. Auch die 1,30 Meter starke Bruchsteinwand zwischen Turm und Kirchenboden war durchbohrt, kurz, ein erheblicher Schaden entstanden. Und doch war es ein großes Glück, ein freundliches Fügen Gottes, dass der Blitz nicht in unsere schöne, erst vor wenigen Monaten mit großen Kosten fertig gestellte Kirche, nicht in unsere herrliche, an die erst wenige Tage zuvor der Orgelbaumeister die letzte Hand angelegt hatte, verwüstend eindrang, dass er nicht zündete und Turm und Kirche vernichtete.
Turm und Kirche sind bei der Aachen-Münchner Feuerversicherungsgesellschaft versichert. Von deren Vertretern wurde bereits unterm 18.Juli gemeinsam mit den vom hiesigen Gemeindekirchenrate ernannten Sachverständigen der entstandene Schaden auf 1152 Mk. abgeschätzt. Mit dieser Summe dürften die Kosten bei der Ausbesserung aller Beschädigungen im Großen und Ganzen gedeckt sein.
Gottes Hand walte auch ferner schirmend und schützend über unserm Gotteshause und über unserem ganzen Heimatorte.

Quelle: " Der Hausfreund", Nr 7/8 Juli/August 1911, Seite 40/41, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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