Frankreich, den 4.11.1915
Wie Sie wohl schon in der Zeitung gelesen haben, geht es hier in der Champagne jetzt heiß her. Wir kämpfen schon seit September um den Hügel von G… und um das Dorf G…, eine heiß umstrittene Stelle. Wir haben auch schon schwere Verluste gehabt, im ganzen ungefähr 7 Tote, 4 Schwerverwundete und 40 Leichtverwundete. Es kommt auch täglich vor, dass jedes Geschütz von uns bis zu 80 Schuss abfeuert, von vier Geschützen sind je 1200 Schuss verfeuert. Wir bekommen dasselbe Feuer auch oft von den Franzmännern zurück. Anfang Oktober, wo der Angriff der Franzosen gegen uns stattfand, hatten wir 30 Divisionen gegen uns. Wir waren eine Division und haben sie mit Todesverachtung aufgehalten. Sogar mit Kavallerie haben sie uns angegriffen, aber vergebens war ihr Bemühen. Sie wurden, trotz ungeheuren Trommelfeuers der Franzosen, dank unserer guten Infanterie niedergehalten. Neben uns, so weit stehen unsere Geschütze vor, lagen die …Jäger. Da traf ich Gastwirt Wieker, von den …Jägern, eine Freude, die kaum zu beschreiben ist. Nachmittags habe ich dann noch Paul Peine, den Sohn von unserem Herrn Amtsvorsteher, gesprochen. Die Freude war groß, wenn sich so im Feuer drei Landsleute treffen….
H.J
L…, den 5.11.1915
Morgen werden es vier Wochen, dass man französische Luft atmet. Wir hatten während der feindlichen Offensive einen schweren Stand, da es der Feind ja auf die Umzingelung dieser Stadt abgesehen hatte. Wir hatten vom 25. bis 28. September keinen Schlaf, unaufhörliches Trommelfeuer. Bei l… hatten sich die Rheinländer zurückdrängen lassen. Wir mussten ihnen zu Hilfe kommen und am 8. Oktober die aufgegebene Stellung wieder stürmen, was uns nur teilweise gelang. Ich war auch bei den Sturmtruppen mit zugeteilt, der 5. Komp. des Inf.- Regts. Nr. …. . In dieser Kompanie ist auch Steinmetz Hermann Müller, ich wusste es aber auch nicht. Einige Tage nach dem Sturm traf ich ihn, seitdem habe ich ihn öfter gesprochen.
Den Walter Gutjahr traf ich ebenfalls. Der arme Kerl erst am 7. Oktober dort angekommen aus der Garnison, am 8. Oktober beim Sturm ist er schon gefallen. Wir gewannen bei dem Sturm zwei Gräben, allerdings unter schweren Verlusten. Wir waren unsere 63 Pioniere, davon sind 26 Mann tot oder verwundet. Am 11. Oktober machte der Feind starke Gegenangriffe, um uns die Gräben wieder zu entreißen, es gelang ihnen nicht. Hermann Müller hatte wieder einmal furchtbares Glück. Wie er mir erzählte, hat er sich in einer äußerst kritischen Lage befunden. Er hatte die Aufgabe, mit seiner Truppe einen Sappenkopf zu halten.
Ich habe hier schon eine ganze Reihe von Landsleuten getroffen.
Von Otto Schoof liege ich zwei Minuten entfernt im Quartier.
Seit 14 Tagen ist es hier wieder auffallend ruhig. Hoffentlich geht diese Ruhe so langsam in den Frieden über...
O.R.