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Liebe Eltern und Geschwister

Hamm (Westfalen), den 15.9.1914

Postkarte - Saint - Quentin Euch zur Nachricht, dass ich am 7. d. Mts. bei den Kämpfen vor Paris verwundet bin und jetzt in Hamm im katholischen Krankenhause liege. Eine Granate hat mir am linken Unterarm unweit des Handgelenkes an der Oberfläche die Muskelsehnen durchrissen, so dass ich eine ganze Weile felddienstunfähig bin. Es war am Montagabend. Wir hatten an dem Tage eine zu große Übermacht gegen uns. Wir lagen auf einem französischen Artillerie-Schießplatz, infolgedessen kannten die Franzosen die Entfernungen genau und konnten uns gut beobachten. Überall schlugen Granaten ein.
Wie ich nun verwundet zurückging, traf ich meinen Bruder Otto. Er brachte mich in ein Feldlazarett, wo ich verbunden wurde.
Dort blieb ich eine Nacht. Hier waren wir vor den feindlichen Granaten nicht sicher und mussten dann, alles, was gehen konnte, 6 km in ein anderes Feldlazarett gehen. Dort blieben wir wieder eine Nacht und wurden am anderen Tage mit Kraftautomobilen, welche Munition herangeschafft hatten, weiter zurückbefördert und kamen dann um Mitternacht in der Kaserne von Goisson an. Am anderen Mittag ging’s dann weiter bis zur Bahnstation Chauny in Frankreich, bis dort ist der Bahnverkehr wieder hergestellt. In Chauny blieben wir wieder die Nacht und wurden am anderen Tage, Freitag, den 11. d. Mts., verladen, um nach Deutschland transportiert zu werden. Die Fahrt dauerte 3 Tage, und 3 Nächte mussten wir im Eisenbahnzuge sitzen. Wie wir auf deutschen Boden kamen, ging’s dann. Da gab es wieder etwas zu Essen und zu trinken und zu rauchen genug, was uns vorher sehr gefehlt hat.
Dies alles hat August Steinemann  auch mitgemacht. Er hat einen Schuss ins Bein, ist aber schon bald wieder gut. In Münster sind wir auseinander gekommen. Wo er geblieben ist, weiß ich nicht. Er ist jedenfalls nach Magdeburg gekommen, wo ich auch hinwollte.
Ich muss aber notwendig frisch verbunden werden, und nun lassen sie mich hier nicht fort, ehe ich nicht ganz geheilt bin. Das dauert aber noch eine ganze Weile, 4-5 Wochen mindestens. Ich bin hier auch ganz gut aufgehoben, werde sehr gut gepflegt, Essen gibt’s auch ganz gut. Diese Nacht habe ich seit 5 Wochen das erste Mal wieder in einem Bett geschlafen. Nun, liebe Eltern, will ich schließen.
Macht Euch nicht viel Gedanken um mich, denn ich fühle mich hier ganz wohl und werde hoffentlich bald wieder gesund. Seid vielmals gegrüßt von Eurem Sohn und Bruder

Adolf.

Quelle: " Der Hausfreund", Nr. 10/11 Oktober/November 1914, Seite 83/84, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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