Argonnenwald, 9.12.14
Endlich bin ich in der Lage, Ihnen einen Brief mit meinen wenigen Erlebnissen zu schreiben, wenn auch unter ungünstigen Verhältnisse, denn meine Wohnung ist ein Loch in der Erde, überdeckt mit Schilf und liegt am Abhange des Argonnenwaldes. Nun einiges über die Gesamtlage und die Feuertaufe. Ich bin der … Feldkompanie des Pionierbataillons … Das ganze Militär hier ist der Infanterie zugeteilt, und zwar arbeiten wir alle 14 Tage vier Stunden in der Sappe. Die 3. Nacht, Posten in der Sappe, mit Handgranaten. Alle 3 Tage bekommen wir Ablösung. Wir bilden hier das Zentrum der ganzen Schlachtfront. Der Franzose hat sich gut verschanzt, wir ebenfalls, nur mit dem Unterschiede, wir sappieren, dass heißt, wir arbeiten uns (unter der Erde) an die feindlichen Stellungen ran, sprengen sie durch unterirdische Minen und stürmen sie im Verein mit der Infanterie. Am 1. Dezember waren unsere Arbeiten soweit gediehen, dass wir bis auf 4 m an die Franzosen heran waren. Wir erzählten uns etwas mit ihnen und warfen ihnen Zigaretten und dergleichen zu, damit sie uns in unserer Arbeit nicht störten.
Jetzt kam der Befehl: „Um 11 Uhr Sprengung der letzten 4 m“.
Punkt 11 Uhr ertönte ein ohrenbetäubendes Knallen. Franzosenleiber flogen- ein grauenhafter Anblick- wie Lumpen in die Luft.
Die Infanterie stürmte mit aufgepflanztem Seitengewehr, wir an der Spitze richteten mit unsern Handgranaten eine unbeschreibliche Verwirrung unter den Feinden an. Was sich widersetzte, wurde niedergemacht, und gefangen genommen, was die Waffe streckte.
In Gefangenschaft gerieten 8 Offiziere, 386 Mann und ungefähr 300 Verschüttete. Fürwahr, ein schöner Erfolg von einer Kompanie Infanterie und einem Zug Pioniere.
Das Ziel war erreicht, 300 m in die feindlichen Schützengräben waren wir vorgedrungen, die wir sofort zur Verteidigung einrichteten. Wir hatten einen Verwundeten, die Infanterie drei Tote und etliche Verwundete. Zehn Eiserne Kreuze wurden verteilt, und eine Belobigung von Seiten des Grafen Häseler war der Lohn.
In der Hoffnung, dass wir uns später über dieses Gefecht unterhalten können, auf ein gesundes Wiedersehen hoffend, zeichnet in vorzüglicher Hochachtung
Ihr dankbarer Schüler J.--