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Feldpostbrief

Von den hiesigen Angehörigen eines zum 4. Jägerbataillon eingezogenen Reservisten wurde mir folgender in Lüttich geschriebener Brief freundlichst zur Verfügung gestellt:

8.August 1914

Heute kann ich Euch etwas ausführlich Nachricht geben. Vor allen Dingen, ich bin bis heute unverletzt trotz unheimlichen Feuers.
Wir sind in Belgien und gehen siegreich vor. Wir hatten Donnerstag (6. August) unsere Feuertaufe bekommen. Nachts 10 Uhr fing es an und dauerte bis Freitagabend. Heute haben wir seit vier Tagen das erste Mal fünf Stunden Schlaf gehabt, sonst tags über Gefecht gehabt und nachts marschiert, um morgens rechtzeitig wieder ins Gefecht zu kommen. Meine Kompanie hat tüchtig Gefangene gemacht, allein ca. 400. Die Bevölkerung ist uns zum großen Teil feindlich gesinnt. Wenn wir aus den Dörfern abmarschieren, schießen die Pisangs ( Bauern)  auf uns mit Revolvern u.s.f. Selbst Kinder sind mit Revolvern bewaffnet. Sämtliche Häuser, aus denen geschossen wurde, wurden angesteckt. Man kann es nicht in Worten fassen, wie furchtbar der Krieg ist. Vorgestern habe ich ca. 10 Minuten im feindlichen Maschinengewehrfeuer gelegen. Die Kugeln pfiffen wie toll um uns, aber trotzdem geht’s lustig mit Hurra drauf. Der Geist im Bataillon ist  trotz starker Verluste wunderbar. Entweder siegen oder sterben! Drauf geht’s auf alle Fälle. Von höchster Stelle haben wir Lob bekommen. Wir bekommen andauernd noch Reserven nach. Die ersten Gefechte hatten wir, Regiment 27, Regiment 165 und ein Artillerie-Regiment gegen bedeutende Übermacht bestanden. Für heute genug. Ängstigt Euch nicht!
Herzliche Grüße 

Euer  W…..

FeldpostkarteFeldpostkarte

Quelle: " Der Hausfreund", Nr.8 August 1914, Seite 63/64, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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