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Lieber Vater, Onkel und Tante

Original Abschrift

Saarburg 15.09.1897

Albert Sandring

Die zwei Pakete habe ich erhalten, konnte euch aber nicht eher mitteilen, weil ich diese gut viel Arbeit gehabt habe , ich habe im Casino sämtliche Plüschstühle gestrichen, habe auch noch mehr zu machen, das ist aber nicht so dringend, dann habe ich für unseren Unteroffiziersball am Sonnabend Schilder gemalt, wo ich selbst den Ball mitgemacht habe, erst serviert und dann mitgetanzt, dann ging ich mit Unteroffizier Schulz zuhause es war gestern also Sonntag Morgen um 3Uhr  kamen wir vom Feiern dann habe ich geschlafen bis um 4 1/2 Uhr in den Stall gehe  ich doch so nicht mit.
Dann habe ich meine Sachen gereinigt die Stube in Ordnung bringen lassen zur Stubenrevision des Nachmittags wieder angezogen u. der Wachtmeister war schon nach Hof gegangen, das ist ein Dorf 1/2 Stunde von Saarburg. Da habe ich dann die kleinen Malschilde nach Hof gebracht da musste ich dann mit da bleiben und sind spazieren gegangen, der Regiments-Sattler war noch bei nach Ratingen da haben wir ein paar Glas Bier getrunken und Schinken und Brot gegessen. Dann sind wir wieder nach Saarburg gegangen. Hier war am Sonntagabend ein Zauberkünstler da frugt mir der Wachtmeister ob ich nach Urlaub angefragt hätte, da sage ich nein, da sagt er gehen sie man voran und lassen sich von meiner Frau die Urlaubskarte geben.
Da bin ich nicht gegangen sondern habe lieber ins Bett gelegt. Mit den Wein müsst ihr noch ein bisschen Geduld haben solche kleinen Fässer sind schwer zu kriegen.
Solchen Winter wie ich dieses Jahr hier erlebt habe bekomme ich nie wieder da habe ich mal des Morgens die Pferde geputzt sonst bin ich nie in Stall gegangen bis ich Reiten musste.
Heim alter Parole zählt noch 140 Tage.

Es grüßt herzlich
Albert Sandring

Brief 1897Brief 1897

 

42.Division (Deutsches_Kaiserreich)

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