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Ein Brief aus dem Jahre 1815

Auf meine Bitte, mir Briefe mit Kriegserinnerungen zur Verfügung zu stellen, ist mir der nachfolgende Brief eines an den Freiheitskriegen beteiligten Langenweddingers  freundlichst überlassen worden. Ich bringe ihn wortgetreu, aber in der Rechtschreibung unserer Tage.


Liebe Eltern

Soll euch mein wenig Schreiben noch bei guter Gesundheit antreffen, soll es mir von Herzen lieb sein. Was mir anbetrifft bin ich Gott sei Dank noch gesund und munter. Ich verhoffe, dass Ihr mein Schreiben vom 18. April erhalten habt, und ihr schreibt mir gar nicht einmal Antwort darauf.
Es sind doch jetzt schon 6 Wochen her, ich weiß nicht, was ich mir daraus denken soll, weil es jetzt schon ein halbes Jahr ist, dass ich von euch keine Nachricht erhalten habe, und ich habe euch doch oft geschrieben.
Das Neueste, was ich euch schreiben kann: Wir stehen jetzt in die Kantonierung, wo wir am 20. März einrückten, ganz ruhig, nämlich bei Namur.
Vier Wochen haben wir die Vorposten gehabt auf die französische Grenze. Da sind wir abgelöst worden und sind hierher marschiert, wo wir stehen. Die vier Wochen haben wir unser Bett unterm freien Himmel müssen aufschlagen, nahe auf die französische Grenze. Wir hätten können oft schon zum Gefecht kommen, aber wir durften die Franzosen nichts tun, wenn sie nicht unsere Grenzen berührten, wo sie sich aber sehr in Acht nahmen, denn die französischen Husaren standen auch gegen uns. Da sind wir also ganz wieder zurückmarschiert in die Kantonierung. Wir sind freilich ganz dick gelegt. Aber es ist da sehr gutes Land, wo wir stehen, es ist in die Brabändischen Niederlande. Das Hauptquartier vom Feldmarschall Blücher ist in Namur.
Wir stehen jetzt nicht mehr unterm 1. Armeekorps, wir sind zum 2. versetzt worden, nämlich unser Regiment. Es befindet sich auch bei das Korps die reitende Elb-Landwehr. Das ganze Korps hatte in den letzten Maitagen große Parade von Blücher, wo ich unvermutet A. Jacob Flötern und Andreas Plümecken traf, welche mir und ihnen sehr freute. Es sind auch noch Infanterie-Regimenter dabei, wo ich erfahren habe, dass da auch noch Bekannte bei wären, aber es hat mir nicht die Gelegenheit noch nicht gegeben, sie zu sprechen. Wie es heißt, kann es noch vier Wochen dauern, ehe es vorwärts geht.
Schreibt doch, ob Friedrich auch wieder unter Berliner Landwehr hat kommen müssen, und unter welchem Armeekorps er steht. Es ist auch die 5. Eskadron von Berlin bei uns angelangt in diesen Tagen, wo Berends von Schleibnitz mitgekommen ist.
Sie haben in Groß Ottersleben Ruhetag gehabt. Er lässt seinen Vetter bei uns vielmals grüßen. Neues kann ich euch weiter nicht mehr schreiben. Übrigens grüße ich euch vieltausendmal, liebe Eltern, wie auch Brüder und Geschwister, wie auch Schmidt´s, Herbst, wie auch Herrn Welschen und seine Frau und andere gute Freunde und Verwandten. Übrigens verbleibe ich euer getreuer Sohn bis in den Tod.

J. Andreas Wiegel

Ewernach, den 6.Juni 1815

Die Adresse ist jetzt wenn ihr mir schreibt:

An den Husaren Wiegel der 4. Eskadron des Brandenburgischen Husaren-Regiments unter dem 2. Armeekorps der Reserve-Kavallerie des Herrn General v. Gorgas

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Brief vom Langenweddinger Wehrmann Friedrich Wiegel aus den Jahre1815
Ein Soldatenbrief aus dem Jahre 1817

Das Brandenburgische Husaren-Regiment

Quelle: "Der Hausfreund", März 1912, Seite 21/22, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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