s ist gewiss etwas Erwünschtes, wenn in einer Gemeinde die frohen oder ernsten Erlebnisse einzelner Familien bei recht vielen Gemeindemitgliedern innere und äußere Anteilnahme finden. Die Glieder einer Kirchengemeinde sollen ja Freude und Leid miteinander teilen.
So ist also zunächst gar nichts dagegen einzuwenden, wenn bei unsren öffentlichen Trauungen sich außer der Hochzeitsgesellschaft eine große Zahl von
Gemeindemitgliedern in unserem schönen Gotteshause mit einfindet. Wieder und immer wieder haben aber außer mir auch andere ernstgesinnte, auf kirchlichen Anstand achtende Gemeindemitglieder mit lebhaften Bedauern bemerken müssen, wie bei dieser Gelegenheit von vielen Erwachsenen und Kindern vollständig vergessen wird, was sich im Gotteshause und was sich vor, bei oder unmittelbar nach einer gottesdienstlichen Handlung ziemt. Gewiss, Gott der Herr ist uns an allen Orten gleich nahe.
Aber im Gotteshause sollen und wollen wir vor allen Dingen uns gemeinsam bewusst werden, dass wir vor ihm stehen. Da ziemt sich ehrerbietige Stille und abwartendes Schweigen. Unsere Kirche ist kein Theaterraum, keine Schaustätte, kein Ort wie andere,
wo man sich in Erwartung des Kommenden lachend und flüsternd, halblaut oder laut unterhalten darf, bis der Vorhang aufgeht oder die Handlung anfängt. Das haben bisher bei öffentlichen Trauungen viele Gemeindemitglieder völlig vergessen. Ich bitte daher herzlich und dringend, von jetzt an bei solchen Gelegenheiten die Würde und Weihe des Gotteshauses und der gottesdienstlichen Handlung allseitig eingedenk zu sein.
Ebenso dringend und herzlich muss ich aber auch alle Gemeindemitglieder, die es angeht, darauf aufmerksam machen, dass es in der Kirche völlig unerlaubt und unzulässig ist, sich, um besser sehen zu können, auf die Sitzbänke zu stellen. In den letzten Monaten ist durch solches unziemliches Verhalten bei einer ganzen Anzahl unserer neubeschafften oder neugestrichenen Kirchenbänke der Anstrich in hässlicher Weise zerkratzt oder beschädigt worden. Das darf nicht wieder vorkommen. Unser gemeinsames Gotteshaus ist dem Schutze aller Gemeindemitglieder anvertraut.
Ich hoffe, dass es nur dieser Bitte und Mahnung bedarf, um die obigen geschilderten Unziemlichkeiten künftig bei uns zu beseitigen.