ür die Dauer des Krieges ist hier nach Vereinbarung der Vertreter unserer Ortsgemeinde und unserer Kirchengemeinde ein „Fürsorge-Ausschuss“ gebildet worden. Was soll und will der?
Die Zahlung der Reichshilfe an die Familien der zum Heer Einberufenen erfolgt gesetzlich nur da, wo die Bedürftigkeit amtlich festgestellt ist. Bei der voraussichtlich sehr langen Dauer des uns aufgezwungenen, auf unsere völlige Vernichtung hinzielenden Kriege werden aber Not und Bedürftigkeit auch hier immer schwerer fühlbar werden, und die als Reichshilfe gewährten Beträge werden barer werden, und die als Reichshilfe gewährten Beträge werden mehrfach zur Abwehr wirklicher Not nicht ausreichen. In solchen Fällen will und soll unser „Fürsorge-Ausschuss“ nach wohlwollender Prüfung jedes einzelnen Falles ergänzend, oder, wie in der ersten Ausschuss-Sitzung ein Mitglied treffend ausdrückte, „ausbessernd“ eintreten. Die Mittel dazu erwartet er aus Zuschüssen der Ortsgemeinde und Kirchenkasse. Er erbittet aber zugleich für seine Zwecke auch reichlich und fortgesetzte Zuwendungen seitens der Gemeindemitglieder. Jedes Ausschuss-Mitglied nimmt Gaben dankend entgegen.
Mitglieder des Fürsorge-Ausschusses sind:
| 1.Herr Amtsvorsteher Peine als Vorsitzender der politischen Gemeindekörperschaften, | |
| 2. Herr Sup. A.D. Moeller als Vorsitzender der kirchlichen Gemeindekörperschaften. | |
| 3. Herr Gutsbesitzer Reckleben | als Mitgl. d. pol. Gemeindevertreter und des Gemeindekirchenrates |
| 4. Herr Gutsbesitzer A. Schröder | |
| 5. Herr Sanitätsrat Dr. Krumhoff | als Kassenführer |
| 6. Herr Amtssekretär Paust | |
| 7. Aufseher Hinske | als Vertreter d. katholischen u der evangelischen Arbeitnehmer |
| 8. Herr Arbeiter Wilh. Schütze | |
| 9. Frau Auguste Denker als Vertreterin des hiesigen „Vaterländischen Frauen-Vereins“. | |
Der Einsammlung von freiwilligen Gaben für die vielseitigen und dringlichen Bedürfnisse unserer Krieger und ihrer zurückgebliebenen Angehörigen haben sich in dankenswerter Weise acht wohlbekannte junge Damen unserer Gemeinde unterzogen. Ihre Mühe war nicht vergebens, obwohl manches brummige „Ich gebe nichts“ ihnen nicht erspart blieb. Geiz und Selbstsucht verhärten leider manche Menschenherzen so, dass ihnen das Mitgefühl für fremde Not und das Bewusstsein, es ist meine Christenpflicht, solcher Not nach besten Kräften wehren zu helfen, ganz abgeht. Aber auch viele freundliche Eindrücke haben die lieben Sammlerinnen empfangen und gern gespendete Gaben auch da, wo die Gabe ein wirtschaftliches Opfer für die Geber bedeutete, entgegen nehmen dürfen. Es sei ihnen für alle Mühewaltung auch hier herzlich gedankt.
Der Ertrag dieser Sammlung belief sich auf 2038,53 Mk. Davon sind nach einstimmigem Beschlusse des „Fürsorge-Ausschusses“ dem Königlichen Landrate für Zwecke des Roten Kreuzes die Hälfte mit 1019,54 Mk. überwiesen worden. Weitere 400 Mk. wurden, wie oben schon bemerkt, zur Beschaffung der an den gemeinsamen Arbeitabenden zu verarbeitenden Stoffe, also gleichfalls für Zwecke des Roten Kreuzes bewilligt. Die Verwendung des Restes ist weiterer Beschlussfassung vorbehalten. Zu ihm kam hinzu der Betrag von 123,39 Mk. hinzu die der Ortpfarrer ablieferte. Sie setzen sich zusammen aus dem Ertrage der Kirchenkollekte am Landesbettage mit 62,39 Mk. , sowie aus 2 Spenden zu je 3 Mk., 3 Spenden zu je 5 Mk. und 4 Spenden zu je 10 Mk., die mir für die obige Kollekte nachher noch eigenhändig oder ins Haus zugeschickt wurden.