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“Unsere Glocken und ihre Geschichte“

Langenweddingen 1906


Die große Glocke Inschrift
(in zwei Distichen)

 

Anno 1585 die 9.Febr.
depery quondam delapso coelitus igne.
Nune resonas revoco ad secra: Venite peto.
Ad pompas, ad sacra, preces, ad funera aives.
Voce sua Christus vocast ipsa voco.

Anno domini 1585
Ich rufe zusammen die Gemein,
versammle die Eltesten fein,
und all des Landes Einwohner
Zum Hause Gottes Ewres Herrn

Ich bin in Gottes Namen durchs Feuer geflossen.
Hans Olemann hat mich gegossen.

Die oberste, in lateinischen Versen abgesetzte Inschrift besagt:

Im Jahre 1585, am 9.Februar,
wurde ich einst durch vom Himmel gefallenes Feuer zerstört.
Nun wieder erklingend rufe zum Heiligtume: Komme, bitte ich.
Zu Festfeiern, zum Heiligtume, zum Gebet, zu Begräbnissen
Rufe ich die Bürger, die Christus mit seiner Stimme selbst einladet.

An den Seiten der Glocke steht, schön gearbeitet, zweimal der heil. Georg zu Pferde, Maria mit dem Christkinde und ein  Kruzifix  mit Maria und Johannes.


Also bei einem Wintergewitter, einem seltenen Ereignisse, ist unsere große Glocke durch Blitzschlag vor 321 Jahren zerstört worden. Welchen Schrecken und Trauer wird es damals in den Herzen aller Ortsbewohner hervorgerufen haben. Aber unsere wackeren Vorfahren haben sich, wie die Glocke selbst erzählt, nicht lange besonnen. Obwohl damals noch nicht, wie heute, eine reiche Kirchenkasse für alle kirchlichen Ausgaben eintreten konnte, haben sie sich frisch an´s Werk gemacht, und noch im gleichen Jahre (Anno domini 1585, dass heißt: Im Jahre des Herrn 1585) ist die neugegossene Glocke auf unsern Kirchturm aufgehangen worden.



Die Inschrift unserer Mittelglocke lautet auf der einen Seite:

Auf Befehl eines Hochwürden Dom-Capitels des Hohen Stiftes zu Magdeburg ist diese Glocke im Jahre 1788 von C.G.Zigner gegossen worden. - Die  256.Glocke

auf der anderen Seite:
Unter der glorreichen Regierung Friedrich Willhelm II., Königs von Preußen.

Die kleine Glocke:
Ihre Inschrift sagt uns nur :

Gegossen von W. Engelcke in Halberstadt 1853, Schulglocke zu Langenweddingen

 

Die _neuen _Glocken_1925
  1925 - Ein letztes Foto bevor
   die neuen Glocken in den
   Turm kommen.

Die beiden kleinen Glocken sind zugleich Uhrglocken.
Die Viertelstunden kündet mit hellerem Klange die kleine Glocke, die vollen Stunden zeigt uns in tieferem Tone die Mittellglocke an.
Das Rufen zur Schule, das Zehnuhr und das Feierabendläuten geschieht mit der kleinen Glocke allein.
So hat jede unserer drei Glocken ihre besondere Einzelaufgabe.
Zur Arbeit des Werktags, der in den Feierabend ausklingen soll ruft die eine.
Jede volle und damit vergangene Stunde zeigt uns die Mittelglocke an.
Wenn alle drei in reinem Zusammenklang ihre Stimme erheben, mag das geschehen als letzter Erdengruß für ein entschlafenes Menschenkind, oder mag es der Sonntagsgruß für uns alle sein, wenn sie uns zum Gotteshause rufen

Später wurden die kleine und mittlere Glocke zerschlagen und am 10. Juli des Jahres 1916 an die hiesige Metall-Sammelstelle abgeliefert.
Ihr dort festgestelltes Gesamtgewicht belief sich auf 960 kg.
Der hierfür gezahlte Betrag von 5.920 Mark ist als besondere „Glockenkapital“ solange zu verwalten, bis es einmal wieder möglich sein wird, neue Glocken zu beschaffen.
Die aus dem Jahre 1585 stammende große Glocke ist uns wegen ihres geschichtlichen und künstlerischen Wertes bis auf weiteres gelassen worden

1925 bekam die Sankt-Georg-Kirche neue Glocken.

große Glocke

Die große Kirchenglocke von 1925 hat jetzt einen Ehrenplatz neben der Kirche. Die Mittelglocke steht heute am Glockenteich und die kleine Glocke befindet sich noch im Turm.

Inschrift der Glocken von 1925

Große Glocke (1925)

(Ersatz für die im Jahre 1585 gegossene Bronzeglocke)

Zwei Glocken nahm der Krieg,
der dritten Herz bei Deutschlands Leid und Schmach,
Stahlglocken zeugen nun von deutscher Not,
doch stark wie Stahl und feste Burg ist unser Gott.

Mittlere Glocke (1925)

Tauft ihr ein Kind und tritt ein junges Paar,
in festlichen, frohem Schmuck zum Traualtar,
mahnt Glockenklang mit wunderbarer Macht,
gelobt sei Gott, der Euch hierher gebracht.

Kleine Glocke (1925)

Denkt ihr gefallenen Helden, starb dein Kind,
dein liebevolles Weib, bist du in Tränen blind,
die Glocke tröstet: „Still, du müdes Herz,
dein Heiland lebet und führet dich Heimatwärts.“.

Quelle: „Der Hausfreund“, Nr.3,März 1906, Seite 19, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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