
n Nr.11 des „Hausfreund“ hatte ich unter dem Titel: „Wie das Geld der Arbeiter verpulvert wird “ , einem Bericht der volkswirtschaftlichen Zeitung „Die Sparkasse“ mitgeteilt, in dem zahlenmäßig nachgewiesen war, welche Riesensummen von den zentral- organisierten sozialdemokratischen Gewerkschaften in den letzten fünfzehn Jahren für Ausstände
(33.130,243 M.) Verbandsorgane (8.888,348 M.), Agitation usw. ausgegeben worden waren.
Aus Anlass dieses Berichtes brachte das Magdeburger sozialdemokratische Parteiblatt „Die Volksstimme“ in der Nummer vom 18. Dezember v.Js. einen gegen mich gerichteten Artikel, den ich im Nachfolgenden zu jedermann Kenntnis tiefer hänge:
Langenweddingen, 17. Dezember. (Herr Superintendent a. D.) Ernst Möller, Pfarrer allhier, ist auch schriftstellerisch tätig, indem er monatlich den „Hausfreund“ für die Kirchengemeinde Langenweddingen herausgibt. Das mag ein Gott wohlgefälliges Werk sein, und der Herr Superintendent wird sicherlich dadurch einen Platz zur Rechten des Vaters erlangen, wenn er einst heimgeht. Aber er sorgt auch jetzt für das Heil seiner Gemeindemitglieder schon hier auf Erden, insbesondere sucht er sie von der Arbeiterpartei und den Gewerkschaften fern zu halten. Er druckt zu diesem Zwecke eine Sudelei der „Sparkasse“ nach, in welcher den Arbeitern vorgerechnet wird, was die sozialdemokratischen Gewerkschaften verstreikt haben und was die „Agitatoren“ dabei einstecken. Das mag ja den Herrn Pfarrer schmerzen, denn diese Agitatoren sind auch in seine Herde eingebrochen, aber er sollte sich doch mal genau nach den Einkommen dieser Agitatoren erkundigen und damit vergleichen, was er für seine „Mühewaltung“ erhält, die Langenweddinger Pfarre ist ja eine der best dotierten im Kreise, es lohnt sich, dort Seelsorger zu sein.
Wenn sich dieser Artikel nur mit meiner Person beschäftigt, würde ich trotz seiner höhnischen Bemerkungen über mich und meine Amtsarbeit hier gar nicht erwähnt haben. Solche Bemerkungen machen ja auf mich niemals den vom Schreiber derselben beabsichtigten Eindruck. Dagegen nötigt mich die Bezeichnung des Berichtes der „Sparkasse“ als eine „Sudelei“ zu folgender Bemerkung: In einer im Dezember v. Js. hier abgehaltenen sozialdemokratischen Volksversammlung, der ich beiwohnte, wurde vom Referenten des Abends anlässlich meiner Anwesenheit und meines Redens in der Versammlung auch der von mir im „Hausfreund“ gebrachte Bericht der „Sparkasse" besprochen. Zu meiner Genugtuung durfte ich dabei aus dem Munde des Herrn Referenten hören, dass die von mir mitgeteilten Zahlenangaben der „Sparkasse“ richtig seien. Auch wurde zugegeben, dass ein Teil der angeführten Riesensummen für die Agitation durch Agitatoren verwendet würde. Das diese Agitatoren für ihre Bezahlung auch Arbeit im Dienste der Partei leisten, dass habe ich niemals bestritten. Ich verhehle aber auch meinen Gemeindemitgliedern nicht, dass ich über den Vorteil dieser Agitationsarbeit für unser Volk und besonders für meine Gemeinde anderer Meinung bin als die meisten Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Gerade als warmer Freund jedes fleißigen Arbeiters in meiner Gemeinde, gerade darum, weil ich jedem Arbeiter aus voller Überzeugung das Recht erhalten wissen will, die Besserung seiner Lage auch im Vereine mit anderen auf gesetzlichem Wege anzustreben, gerade darum endlich, weil ich in jedem ordentlichen Arbeiter die Persönlichkeit, den Menschen nicht nur selbst anerkenne und achte, sondern auch allgemein anerkannt und geachtet wissen will, gerade darum muss ich die jetzige Art der Agitation seitens der sozialdemokratischen Partei als eine die wahren Interessen und die wirtschaftliche Hebung des Arbeiterstandes nicht fördernde ansehen.
Es ist an dieser Stelle und in diesem Blatte, dass meiner Kirchengemeinde dienen und von Politik sich darum sonst fernhalten soll, nicht der Platz, dass weiter auszuführen. Sollten irgend welche meiner Gemeindemitglieder aber den Wunsch haben, über diese Fragen, hinsichtlich der sie vielleicht anderen Überzeugung sind, sich in aller Ruhe und mit dem Wunsche gegenseitiger Klärung und innerer Annäherung mit mir auszusprechen, so sollten sie mir auch zu diesem Zwecke in meinem Hause herzlich willkommen sein.