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Die evangelischen Pastoren von Langenweddingen

Seit der Wiederherstellung unserer Kirche im Jahre 1911 befindet sich in ihr an der dem Altar gegenüber befindlichen Wand eine in schlichten Farben auf die Kalkwand gemalte Umrahmung Professor Kutschmanns aus Berlin, dem die Ausmalung der Kirche damals übertragen war, wollte der großen, weißen Wandfläche durch diese farbige Malerei ein schmuckeres Ansehen verleihen, zugleich aber die Umrahmung zu einer Gedenktafel gestalten.
Er war sehr erfreut, als er hörte, dass es dem forschenden Bemühen eines im Jahre 1816 hier eingetretenen Pfarrers Weber gelungen sei, ein Verzeichnis der seit Einführung der Reformation in Langenweddingen, also seit dem Jahre 1528 hier amtiert habenden Pastoren lückenlos aufzustellen, und dass dieses Verzeichnis seitdem fortgeführt worden sei.
Die Namen und die Amtszeit der Geistlichen, seit 1538 der hiesigen Gemeinde als ihre Pfarrer gedient und als solche von Kanzel und Altar ihr das reine Evangelium verkündet haben, sind nach Professor Kutschmann´s Vorschlägen in jene Umrahmung eingetragen.

Die Menschen kommen und gehen, aber Gottes Wort bleibt,

daran erinnert diese Gedächtnistafel alle, die sie ansehen.

Über den ehemaligen hiesigen evangelischen Pfarrer sagt das für die ersten 17 Geistlichen lateinisch geführte, seit 1856 deutsch fortgesetzte Verzeichnis, das sich im zweitältesten unserer bis 1639 zurückreichenden Kirchenbücher befindet, folgendes:

1. Ludigemus Pelz- verkündete 1538 zuerst hier die Lehre des von päpstlichen Irrlehren gereinigten heiligen Evangeliums, dass in Magdeburg schon seit 14 Jahren gepredigt worden war. Nachdem er den Grund der rechten Heilslehre so hier gelegt hatte, ging er im Jahre 1547 von hier nach Förderstedt. Dort ist er 1554 gestorben.

2. Matthäus Piper - gebürtig aus Gröningen, wurde am 30. März 1547 in der Reformationsstadt Wittenberg durch Luthers Freund und Mitarbeiter J.Bugenhagen in Gegenwart der bekannten Reformatoren Caspar Cruciger (1504-1548), Georg Major (1502 - 1574) und Philipp Melanchthon (1497-1560) für das Predigtamt ordiniert. Er führte es hier 32 Jahre und starb 1579 im 65.Lebensjahre. Unter der Konkordienformel (dem Klassischen Denkmale lutherischer Rechtsgläubigkeit, durch das der Protestantismus lutherischen Bekenntnisse nach heftigen Streitigkeiten unter den Evangelischen sein dogmatisches Grundgesetzbuch erhielt, die erst nach seinem Tode gedruckt wurde, steht auch hier seine Namensunterschrift.


f. 71v.) Das dorf gehört ins amt Hadmersleben und geht die pfarre von dem domprobst zu Magdeburg zu lehen.
Den 19. novembris. (1563). Presentibus ut supra.

MATHEUS PIPERIUS, pfarrer zu Langenweddingen, seines alters im 49. jahr, ist anno 1547 zu Wittenberg ordiniert, vermöge seines vorgelegten schriftlichen testimoniums, hat seine vokation von der gemeinde und ist ins 17 jahr des orts pfarrer gewesen. Dieser pfarrer hat auf die artikel christlicher lehre recht genugsamen bericht gegeben, dass die herren visitatoren mit ihm zufrieden gewesen.

Des pfarrers einkommen.
5 hufen landes, die gebraucht der pfarrer für sich selbst, 1 scheffel weizen jährlich aus der kirche, 2 pfund wachs aus der kirche; 1 gulden 5 groschen von 4 rechenschaften und spenden; 1 1/2 gulden von lehen Sancti Stefani zu Westeregeln; 2 pfennige opfergeld alle quartal von jedem kommunikanten; 2 pfennige aus jedem hause aufs neue jahr, ist ihm eine zeitlang geweigert worden; sollens aber hinfort geben; 1 groschen für kindtaufe, 1 groschen für aufbieten; 1 groschen für kopulieren [trauen]; 1 groschen für begräbnis; 2 schweinebraten und 2 große semmeln von 2 spenden.

Nota. Die gemeinde hat gewilligt, dass sie dem pfarrer jährlich 14 scheffel weizen zulegen wollen, dagegen soll er wöchentlich 1 predigt tun; wollen auch dem pfarrer zu seinem
[S.39]
neu erbauten häuslein 1/2 hufen landes von der kirche acker zulegen, dass seine erben [Nachfolger im Amt] dieselbige 1/2 hufe um gebührliche pacht wie andere innehaben und gebrauchen mögen.

Inventar der pfarre nichts.

Des küsters einkommen.
1/2 hufen landes, wird ihm frei gepflügt, gemistet und das getreide eingefahren; 1/2 wispel korn halb weizen und halb roggen, dafür muss er den seiger stellen und die betglocken läuten; 1/2 gulden aus Sankt Stefans kirche; 13 groschen 4 pfennige von 4 rechenschaften; 1 wurst und 1 brot aus jedem hause aufs neue jahr; jeder knabe muss 1 quartal 2 1/2 groschen schulgeld geben; ostereier, 1 groschen für kindtaufe; von der hochzeit freie mahlzeit; für begräbnis 1 wurst und 1 brot oder 6 pfennige.

 

Nota: Man soll hinfort einen feinen gelehrten gesellen annehmen, der schule halte und die küsterei mit verwalte, der soll einem knaben, der seine fundamenta [Grundlagen-, Elementarwissen] gefasst, neben ihm [sich] unterhalten, dagegen ihm über das einkommen der küsterei verordnet, wie hernach folgt.

 

Quelle:
http://ernstherbst.online.de/hist/lit/1563_ev_ki-vis.htm

Protokolle der ersten lutherischen General-Kirchen-Visitation im
Erzstifte Magdeburg anno 1562 - 1564
II. Heft: Die Flecken und Dörfer im Holzkreise Herausgegeben von Dr. Fr. H. O.
Danneil,Pastor in Niederndodeleben bei Magdeburg
Magdeburg 1864
Im Selbstverlag des Herausgebers
Stand: 21.08.2007

 


3. Daniel Hornung - zuvor Rektor der Schule in Egeln trat er 1580 sein hiesiges Pfarramt an, dass er über 31 Jahre mit großer Treue verwaltete. Er starb 1612. Auch seinen Namen liest man unter denen der übrigen Prediger des Erzbistums Magdeburg, welche als Zeugen der Wahrheit des Konkordienbuch durch ihre Unterschrift anerkannten.

4. Christian Kühne-Er führte das von der vorgesetzten Behörde ihm im Jahre 1612 übertragene Pfarramt 26 Jahre lang nach bestem können. In seiner Amtszeit fielen die ersten 20 Jahre des 1618 ausbrechenden dreißigjährigen Krieges, dessen Schrecknisse er mit seiner Gemeinde hart zu spüren hatte. Außer feindlichen, von Plünderung, Brand, Erpressung und gräulichen Misshandlungen begleiteten Überfällen hatte er zweimal Pestzeiten zu erleiden, musste auch wiederholt mit seinen Gemeindemitgliedern nach dem befestigten Wanzleben flüchten. Auf solch einer Flucht erlag sein durch viele Leiden geschwächter Körper im Jahre 1638 dem Tode.

5. Peter Wellenberg - Im Jahre 1593 zu Diesdorf geboren wurde dieser hervorragend züchtige und tapfere Mann, der auch die Würde eines Konventualen des Klosters Berge bekleidete, zuerst von 1622 an, Pfarrer in Osterweddingen. In einer ganzen Anzahl Ortschaften waren damals in folge der Verwüstungen des 30jährigen Krieges und der verheerenden Wirkungen der Pest die Geistlichen ausgestorben, ihre Stellen mussten aber wegen der Kriegsnöte und des steigenden Mangels an ausreichenden vorgebildeten Männern lange unbesetzt bleiben. So war er in Diesdorf, Sülldorf, Altenweddingen, Welsleben, Beyendorf und Sohlen. Da hat der wackere, seit dem Jahre 1623, verheiratete Pastor Wellenberg die verweißten Gemeinden geistlich versorgt, auch hier in Langenweddingen im Jahre 1626 in Vertretung des Pastors Kühne eine Taufe an Anna Hornung vollzogen. Im Jahre 1639 siedelte er, nachdem er 1638 seine erste Frau verloren hatte, nach Langenweddingen über, verwaltete aber von hier aus noch bis zum Jahre 1647 die Pfarrämter von Osterweddingen und Diesdorf. Freilich machten ihm die letzteren zeitweilig nur geringe Mühe. So hatte er z.B. von 1638 - 1641 in Osterweddingen , „weil es meistenteils wüste und öde gewesen“ nicht ein einziges Kind zu taufen. Nachdem er sich 1640 zum 2.Male verheiratet und 1648 den von ganz Deutschland ersehnten Frieden mit Freuden begrüßt hatte, riss den 57 jährigen am 10.September 1650 der Tod aus seiner aufopfernden, amtlichen Wirksamkeit heraus. An der Südseite unserer Kirche hat man sein sterbliches Teil zur letzten Ruhe gebettet.
Das von ihm zuerst, von 1622 an, für Osterweddingen geführte Kirchenbuch, in das er mit seiner kräftigen, charaktervollen Handschrift auch alle an anderen Orten von ihm vollzogenen Amtshandlungen eingetragen hat, brachte er 1639 mit hierher und benutzte es von da an als Kirchenbuch für Langenweddingen. So verdanken wir, da die früher hier geführten Kirchenbücher im Kriege vernichtet worden waren, ihm unser ältestes Kirchenbuch. 

6. Dr. Caspar Große (¹) aus Cochstedt im Halberstädtischen, der zuerst als Schulleiter in Schneidlingen tätig war,  wurde im Jahre 1626  Pfarrer in Oberbörnecke. Von dort aus wurde er im November 1650 promoviert. Diesen Abschnitt seines Amtes und Lebens hat er auf glückliche Weise erlebt.  (wörtlich: glücklich absolviert).  Er starb  1661 am 19. April.  Sein Dienst dauerte 35 Jahre.

7.  Johannes Caspar (¹) Naunburger aus Thüringen,  vom Konvent Kloster Berge, er hielt acht Jahre  lang zur Hälfte dort und zur Hälfte in Langenweddingen  die Gottesdienste.  Er erlitt einen schmerzhaften Tod   (frei übersetzt, wörtlich: durch den Tod erlitt er das Auferlegte)  am 26. Januar 1670, im Alter von 39 und einem halben Jahr.

8. Moritz Christoph Hoffmann (¹) aus Aken in Saxen predigte den seinem Glauben anvertrauten Hörern Glauben und Eifer 19 Jahre hindurch.
Zu den Himmlischen versammelt 1689 im Alter von 53 Jahren.


9. Johannes Dietrich

Dieser hier hat uns ganz schön beschäftigt, abgesehen von nicht ganz eindeutigen Formen ist es auch aufregend um Johannes Dietrich. Er ist als Pastor von L.w. abgesetzt worden!

Dazu eine kirchengeschichtliche Erklärung:
Im 17. Jh. ist von England her die Frage aufgetaucht, ob Christen mit der Sonntagsheiligung wirklich dem ursprünglichen Willen Gottes folgen und ob sie nicht vielmehr bei der alten Sabbatheiligung der Schrift bleiben müssten. Es bildeten sich Gruppierungen, die (wie später die Siebenten-Tags-Adventisten in den USA) meinten, den Sabbat, (also den Samstag) heiligen zu müssen, um dadurch einem Strafgericht Gottes am Jüngsten Tage zu entgehen. Nach den Schrecken des 30j. Krieges haben etliche Menschen dieses Gericht in naher Zukunft erwartet.
Natürlich war die Ansicht von der Sabbatheiligung für die protestantische Kirche eine Irrlehre.
Pastor Joh. Dietrich hat sie offensichtlich vertreten, wurde zu einer Überprüfung aufgrund einer Schriftstelle vom Domkapitel in Magdeburg vorgeladen und dann sehr schnell aus dem Dienst entlassen. Was mag aus ihm geworden sein?

Dies sollte man wissen, sonst kann man den Vorgang nicht verstehen.

Johannes Dietrich (¹) wurde am 19. September des Jahres 1657 in Hadmersleben geboren. Am 23. Juni des Jahres 1681 wurde er in seiner Vaterstadt als Schulrektor eingesetzt, wo er nach ungefähr 5 Jahren so wirkte, dass er ab 1686 vier Jahre hindurch gleichzeitig nachmittags als Vikar des Pastors Herrn Johannes Jüterbog tätig war.
Als Pastor von Langenweddingen, durch einen einzelnen Anstoß Gottes angeregt, wurde er aufgrund von Galater 5, V. 4.5.6 zur Überprüfung der Sabbat(frage) am 29. August des Jahres 1689 vom ehrwürdigsten Domkapitel in Magdeburg gerufen (vorgeladen!) und endlich am 21. Sonntag nach Trinitatis, dem 25. August aus dem Dienst entfernt, sogar sofort, damit die Angelegenheit vorwärts ginge.
Wenn Ihr die Frucht teilt, so ebnet und bewässert Ihre den Garten dieses Zions, Du, gütiger Christus, gib den Auftrag dazu!

Römer 5, V.5
In Gott hoffe ich."
Uns ist allerdings nicht ganz eindeutig, ob der aus dem Dienst entfernte nicht doch Joh. Jüterbog war - wir meinen , es sei Joh. Dietrich und der Pastor Jüterb. gehöre nach Hadmersleben.

Die Schriftstellen:
Gal. 5, 4-6: ihr habt Christus verloren, die Ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Damit will das Magdeburger Domkapitel sagen: Nicht dein eigenes Sabbatgesetz, Joh. Dietrich, macht dich oder die Gemeinde gerecht, sondern der Glaube und die Hoffnung auf Gott.

Römer 5, v.5.
Hoffnung lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist.

gest. 1794 Pastor Weinschenz
1795-1801 Friedrich Bartsche
1802-1815 Gebhard Friedrich Schrader
1816-1819 Ludwig Aug.Weber
1819-1827 Gottlieb Carl Greim
1827-1855 Joh.Andreas Böckel

1856-1865 Sup.a.D. Karl Friedrich Förster
1875-1903 Friedrich Wilhelm Müller
1904-? Sup. a. d. Ernst Johann Melchior Moeller

(1) Übersetzung und Aufarbeitung aus dem Lateinischen Dr. Eckart Schröter und Christa Schröter (Pfarrersleute im Ruhestand)

Quelle: " Der Hausfreund", Nr.9 September 1913, Seite 67/69, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

Inhalt des Turmknopfes- Pastoren

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