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S.., den 23.11.1915

 

1.Weltkrieg-Bahn Um Ihnen nun einmal ein wenig von hier zu berichten, muss ich zunächst sagen, dass ich zur Eisenbahntruppe gehöre, und das es bei uns ganz anders ist als bei den vorderen, kämpfenden Linien. Wir müssen gewissermaßen wieder gut machen, was die Infanterie durch die Verhältnisse gezwungen von verderben musste.
Schon die belgischen und französischen Einwohner sagten zu uns, dass wir mit dem schwarzen Kragen und Mützenrande viel bessere Menschen wären, als die mit dem roten. Sie meinten natürlich damit die Infanterie, die unter dem Zwange der Verhältnisse mit den Zivilisten durchweg energischer umgehen muss, als wir. Wir leben mit den Einwohnern, soweit wir hier in Russland überhaupt welche antreffen, auf ziemlich gutem Fuße.
Auch die gefangenen Russen, von denen wir 150 Mann bei unserer Kompanie zur Hilfestellung bei technischen Arbeiten haben, fühlen sich bei uns wohl, trotzdem der Dienst sehr schwer ist. Es wird täglich von morgens bis abends gearbeitet, namentlich das Umnageln der russischen Spurweite und die Wiederherstellung der unzähligen Brücken.
Feldpost-Russland 1.WK Diese Gefangenen wollen aber doch lieber arbeiten, als in irgendeinem Gefangenenlager sein. Was von unsern Verkehrstruppen hier im Osten geleistet wird, ist sehr viel. Wie wäre es möglich, eine so große Armee zu verpflegen, wenn wir unsere Eisenbahner nicht hätten. Und obgleich bei uns kein eisernes Kreuz oder sonstige Beförderung winkt, da die Verluste bei uns noch lange nicht so sind, wie bei der Infanterie, wird die ungeheure Arbeit doch mit Ausdauer und Schaffensfreudigkeit erledigt. Manche Kameraden haben auch wir durch Krankheit oder Unglücksfall verloren. In der Hoffnung auf ein baldiges, für uns ruhmreiches Ende dieses gewaltigen Ringens, mit herzlichen Grüßen

Ihr ergebener M. L.

Quelle: " Der Hausfreund", Nr 1/2 Januar/ Februar 1916, Seite 9, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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