n den Zeitungen kann man alle vier Wochen vom Schöffengerichte lesen.
Man weiß, dass beim Schöffengericht Männer aus dem Volke als Laienrichter zugezogen werden, um das Urteil zu sprechen; aber was das Wort Schöffengericht bedeutet, weiß fast niemand. Ebenso ist es auf dem Dorfe fast jedem bekannt, wer der Schöppe ist und was er zu tun hat; aber woher diese Bezeichnung kommt, weiß oft keiner. Da wollen diese Zeilen denn den Lesern unseres Gemeindeblattes erklären, woher der Name Schöppe oder Schöffe kommt, denn vielleicht wissen die Schöppen selbst nicht immer, wie sie zu der Bezeichnung kommen, die sie tragen.
Die alten nordischen Sagen der germanischen Stämme erzählen von einem Brunnen, der Göttin der Vergangenheit, der Urda, geweiht war. An diesem Brunnen kam man zur Gerichtssitzung zusammen, und die alten heiligen Rechtsbücher verlangten es, dass die Männer des Volkes, die Gericht hielten, schweigend aus dem Brunnen der Vergangenheit das rechte Urteil „schöpfen“ sollten. Es ist nicht schwer zu erkennen, welcher Sinn in dieser Sage verborgen liegt. Aus dem Brunnen der Vergangenheit sollten sie „schöpfen“, das heißt doch nichts anderes als: aus dem reichen Erfahrungsschatze der Vergangenheit sollten die Männer des Volkes schöpfen, wenn sie das Urteil fällte; und „schweigend“ sollten sie es tun, dass heißt: sie sollten sich sammeln und nach redlichem Nachdenken ohne Ansehen der Person das Urteil der Person abgeben, wie es ihrem Volksempfinden entsprach.
Dass das Recht „geschöpft“ werde, war früher eine im Volke ganz gebräuchliche Redeweise. Wer Schillers „Tell“ kennt, erinnert sich vielleicht an das Wort: „Ein Oberhaupt muss sein, ein höchster Richter, wo man Recht mag schöpfen in dem Streit“; und so hatten schon in früher Zeit diejenigen Männer, die sozusagen im Volksleben drinstanden und den juristisch gebildeten Richtern mit ihrer Erfahrung dienen sollten, den Namen „schepfen“, d.h. die schöpfenden bekommen. Daraus sind dann die beiden Worte „Schöppe“ und „Schöffe“ gebildet worden. Ein Schöppe muss also ein Mann sein, der mit den Sitten und Anschauungen seines Volkes so vertraut ist, dass er wie aus einer großen Schüssel oder einem tiefen Brunnen nur „herauszuschöpfen“ braucht, um ein Urteil zu fällen.