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Ein Soldatenbrief aus dem Jahre 1817

Der nachfolgende Brief an einen Soldaten ist am 30. September 1817 hier in Langenweddingen geschrieben worden. Er war adressiert: An den Gefreiten J. Andreas Wiegel, bei der 4. Eskadron des 3. Husaren-Regiments, erstes Brandenburgisches, bei der noch in Frankreich stehenden Armee.  Commercy.“

Der Brief muss lange Zeit gebraucht haben, ehe er nach Frankreich kam. Vom Regiment ist auf der Vorderseite des verschlossenen Schreibens vermerkt: „Ist schon den 30. Dezember 1817 zur Kriegsreserve nach Magdeburg abgegangen, geht daher wieder retour.“
Der Brief, der keine Unterschrift trägt, lautet:

 

Lieber Bruder!

Deinen Brief vom 22. Oktober haben wir richtig erhalten und daraus ersehen, dass du an jetzt gesund bist, was uns sehr freute. Was uns alle anbetrifft sind wir Gott sei Dank noch alle gesund, aber wir hätten das nicht geglaubt, dass du das Attest nicht bekommen hättest, dass wir schon im Frühjahr geschickt haben. Du schreibst, dass du noch keins bekommen hast, und wir haben alle Tage schon gehofft, dass du heimkommen solltest. Das Attest muss angekommen sein; denn ich habe einen Brief dabei gegeben. Wenn das Attest ja nicht ankommen sollte, so müsste doch der Brief angekommen sein. Der Brief war an dich und das Attest an den Regimentschef geschickt.
Wir können dir weiter nicht helfen, du musst erst noch mal nach dem Atteste fragen. Sonst müssen wir uns noch mal Mühe geben, ob wir noch eins bekommen.
Lieber Bruder, ich glaube, das Attest wirst du wohl nicht mehr brauchen; denn hier sind alle, die 3 Jahre gedient haben, entlassen worden, auf Kriegsreserve. Der Königliche Befehl lautet so, dass alle, die 3 Jahre gedient haben, sollen und müssen entlassen werden. Hier sind  so viele Rekruten durchgegangen, die alle nach Frankreich bestimmt waren. Also denke ich, dass du auch wohl los kommen wirst. Christian ist noch in Berlin, wie ich dir schon geschrieben habe. Den haben sie schon bei den Ohren gehabt, aber er ist wieder davon gekommen. Sie haben ihn ausgesucht gehabt zu der leichten Kavallerie, weil er den Schaden am Fuß hat. Aber er hat sich erst noch einmal stellen müssen und ist erst noch mal untersucht worden von drei Doktoren, so, wie ihn Gott geschaffen hatte. Da haben sie ihn für untauglich erklärt, aber für ein Garnisonbataillon haben sie ihn angesetzt.
Lieber Bruder, dass Neueste, was ich dir noch schreiben kann, ist, dass wir jetzt stark Fracht fahren. Wir haben 4 Pferde gehabt und 2 Fohlen. Aber eins davon haben wir wieder verkauft. So haben wir denn doch 3 Pferde, einen großen schwarzen Wallachen, einen braunen Hengst und eine Fuchsstute und ein Fuchsfohlen, ist bald ein Jahr und ein braunes Fohlen, ist ein halbes Jahr alt, alle beide Hengste. Sie sind alle lustig und munter, du würdest dich wohl freuen, wenn du sie sehen würdest. Übrigens grüße ich dich viele mal, wie auch die Eltern und Geschwister und alle guten Freunde und Bekannten. Lebe wohl, ich verbleibe dein getreuer Bruder bis aufs Wiedersehen. Schreib mir sobald als möglich wieder. Wenn sie dich nicht loslassen wollen, dann schreibe, und was wir tun können, wollen wir gern besorgen.
Komme so bald wie möglich.

Quelle: "Der Hausfreund", Oktober / November 1912, Seite 75 /76, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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