m 29. Oktober d. Js. wurde im „Treppenkruge“ die dritte ordentliche Generalversammlung der hiesigen „Ländlichen Spar- und Darlehnskasse“ abgehalten. Aus dem erstatteten Geschäftsberichte sei hier folgendes erwähnt und erläutert:
Die hiesige „Spar- und Darlehnskasse“, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, wurde am 18. November 1904 gegründet und am
1. Dezember 1904 gerichtlich eingetragen.
Sie hat, da ihr Geschäftsjahr vom 1. Juli bis 30. Juni läuft am 30. Juni 1907 ihr drittes Geschäftjahr abgeschlossen. Ihr Zweck ist in erster Linie, den zu ihr gehörenden Genossenschaftern persönlichen Kredit zu verschaffen, Darlehen zu mäßigem Zinsfuße zu gewähren und eingezahlte Gelder entsprechend zu verzinsen. Spareinlagen werden auch von Nichtmitgliedern jederzeit angenommen und vom nächsten 1. oder 15. Monatstage an mit gegenwärtig 4% verzinst. Die Rückzahlung von Spareinlagen erfolgt gegen dreimonatliche Kündigung. Das Geschäftszimmer befindet sich im „Treppenkruge“ Geschäftstunden werden an jedem Dienstag und Freitag, abends von 7-8 Uhr, gehalten. Der Vorstand der Kasse bilden zurzeit die Herren Sup. A.D. Möller als Direktor, Gutsbesitzer Alwin Schroeder als Rendant und Kaufmann Adolf Rose. Zum Aufsichtsrate gehören die Herren Gutsbesitzer Reinhold Güsewell, Vorsitzender, Gutsbesitzer Franz Vorreyer, Tischlermeister Heinrich Hornemann und Schuhmachermeister Friedrich Söder.
Das die hiesige Spar- und Darlehnskasse einem Bedürfnisse entgegenkam, erweist der Fortschritt in ihrer Geschäftsentwicklung.
Es belief sich beim Schlusse des Geschäftsjahres, am 30. Juni
1905 |
1906 |
1907 |
|
die Mitgliederzahl auf |
33 |
40 |
42 |
die Anzahl der Sparer auf |
23 |
48 |
72 |
der Jahresumsatz auf |
60.545,29 M. |
171.079,74 M. |
223.700,68 M. |
die Höhe der Spareinlagen auf |
4.319,84 M. |
11.966,04 M. |
19.922,83 M. |
Diese Zunahme der Spareinlagen ist umso bemerkenswerter, als bis zum 30. Juni 1907 der Zinsfuß für solche nur 3 ¼ % betrug, vom 1. Juli bis 30. November d. Js. auf 3 ½ % festgesetzt war und, wie schon oben erwähnt, vom 1. Dezember d. Js. ab wegen des steigenden Reichsbank- Diskontes auf 4% erhöht wurde.
Nicht unerwähnt bleibe an dieser Stelle auch der Umstand, dass ganz ebenso wie bei jeder öffentlichen Sparkasse selbstverständlich über die Einzahlungen jedes Sparers weder andere Leute etwas erfahren, noch auch die Steuerbehörden Nachfrage halten, oder Auskunft fordern, oder Einsicht in die Geschäftsbücher nehmen dürfen.
So kann die hiesige Spar- und Darlehnskasse sowohl zur Erwerbung der Mitgliedschaft, welche die Eröffnung persönlichen Kredits in satzungsmäßiger Höhe mit sich bringt, wie auch als bequeme, sichere und nutzbringende Gelegenheit zum Sparen für alle Nichtmitglieder warm empfohlen werden.