Aus der Magdeburger Börde

Bördebauern um 1925
Langenweddinger Bauern um 1925
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E ine höchst einförmige, aber vom besten Boden gebildete Fruchtebene zieht sich auf der linken Elbseite von der Mündung der Saale einige Meilen nordwärts. Träge durchschleicht die Bode, vorher ein übermütiger Gebirgsfluss, die reizlose Landschaft, in der man Berge und Hügel, Wälder und Wiesen vergeblich sucht
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Wer aber den moorig – schwarzen Boden dieser Magdeburger Börde je betrat, der schließt aus den herrlichen Gebreiten der wallenden Halmfrüchte, aus den üppigen Pflanzungen der Zucker- und Runkelrüben auf die große Fruchtbarkeit dieses Landstriches.

Nur unterlasse man bei Regenwetter eine Wanderung durch die Börde, da der erweichte Boden sich dann wie ein fetter Kleister an die Füße heftet und das Fortkommen unendlich erschwert.
Anhaltende trockene Witterung dörrt diesen Boden wiederum nicht so schnell aus, als den leichten Sandboden des anderen Elbufers.

Bördetracht
Junge Börde Bäuerinnen in Tracht
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Kraut, welches unter dem Namen des   „Magdeburger Sauerkohls" weithin versandt wird, Zichorie und Zwiebeln gedeihen hier auf das beste. Die wichtigste Kulturpflanze aber, um welche sich hier alles dreht, und welche in die Börde ungeahnte Reichtümer gebracht hat, ist die Zuckerrübe.

Zur Verarbeitung derselben gibt es fast in jedem größeren Dorfe Fabriken, mit welchen oft die größten landwirtschaftlichen Betriebe verbunden sind. In einer solchen Fabrik werden mitunter täglich 500 bis 600 Arbeiter beschäftigt, die aus den ärmeren Gegenden des Landes – z.B. aus dem Eichsfeld, aus der Provinz Posen,von der rechten Oderseite in Schlesien – hierher zu kommen pflegen.

Aber nicht bloß dieser fremden Arbeiter bedient sich der Landmann, um dem Boden möglichst großen Ertrag abzugewinnen, er ist genötigt, außerdem die Kraft des Dampfes und mannigfaltige Maschinen zum Pflügen und Säen, Mähen Ausdreschen zu verwenden. Wollte man ein Bild der Gegend entwerfen, so würde man etwa im Hintergrund die rauchenden Schornsteine einer Zuckerfabrik, links seitwärts einen Eisenbahnzug, der einem Braunkohlenbergwerk zueilt, um dort die aus dem Innern der Erde gewonnenen Schätze aufzunehmen, zeichnen müssen. Im Vordergrund aber würde der fleißige Landwirt zu sehen sein, wie er die Zuckerrüben erntet und das Feld aufs neue bestellt.

 Landwirt Wiegel mit Kuhgespann
50er Jahre -Tradition und Moderne
Landwirt Wiegel mit Kuhgespann
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Bördedörfer sind nicht so klein, sondern zählen ihre zwei-, drei-, auch viertausend Bewohner. Die Häuser sind massiv gebaut. Neben alten Gebäuden und niedrigen Häuschen findet man viele neuere Gehöfte mit großen, schönen Einfahrtstoren und stattlichen, vornehm eingerichteten Wohnhäusern.

Unter dem Einflusse des schnell gestiegenen Reichtums der Bewohner schwinden leider die eigenartigen Sitten und Gebräuche, die früher in dieser Landschaft heimisch waren, immer mehr, immer seltener werden die derben, biederen Bauern vom alten Schlage, immer mehr wird die einfache Kleidung alter Zeit durch teure Stoffe neuester Mode verdrängt, und zugleich fängt man an, sich der alten, lieben Muttersprache, des Plattdeutschen zu schämen.

Aus der Tierwelt kommen besonders Hamster und Hase hier vor. Jener kann, obwohl er nur klein ist, zur Landplage werden. Denn in seiner unterirdischen Wohnung speichert er oft einen ganzen Scheffel Gerste, Hafer oder Weizen auf, dabei findet er sich in so großer Zahl vor, dass ein Hamsterjäger an einem Tage schon 100 Stück erlegt hat.

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