Langenweddingen vor 75 Jahren

Eine gewisse Gedicht und Zeitung

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Langenweddingen ist, wie ich schön hörte,
eines der schönsten Dörfer, hier in der Börde.
Von fruchtbaren Feldern und Wiesen umgeben,
lässt es sich herrlich darinnen leben.
Die Häuser im Dorfe sind reinlich und schön,
die Straßen bilden wahre Alleen
von Ahorn, Akazien und Linden
so schön sie nur sind zu finden.
Unsere Kirche, Wahrzeichen vergangener Zeit,
ist dem Drachenritter St. Georg geweiht.
Im Sommer umfängt dort alt und jung
träumerisch grüne Dämmerung.
Interessant sind auch unsere Straßennamen,
die sie schon in alter Zeit bekamen.
Langenweddingen noch aus drei Orten bestand:
Weddingen, Kreipen und Schlenstedt genannt.
Die längste, die Lange Straße, wie der Name verrät,
die Bauernhöfe liegen dort wie gesät.
Drum hat auch ein Spaßvogel, das ist mir bekannt,
sie einfach die Schleiergardinenstraße genannt.
Dann ist da noch die Stinne, die Kreipe und die Neue Straße,
Pfarrwinkel, Feldstraße und Schulgasse.
Zur Feldstraße wird wie ihr auch fragt,
meistens nur Mäuseburg gesagt.
Wolfschartstraße und Doktorstraße,
Wanzleber Weg und Wolfsgasse.
Den Weg bei den Schulen nennt man, wie bekannt,
überall nur die Bauernwand.
Auch einige Berge sind in unserem Ort
nun „Anhöhe" wäre wohl ein passendes Wort.
Bäcker und Hirtenberg sind ihre Namen,
sie eignen sich vorzüglich zum Schlitten fahren.
Im Sommer ist von eigenartigem Reiz
ein Spaziergang in die Langenweddinger Schweiz.
Ja, die Berge, sagt der Langenweddinger nur,
freundlich lugt dort die Wassermühle hervor.
Und nicht zu vergessen, in unserem kleinen Reiche
liegen auch ein paar schöne Teiche.
Der Glockenteich und die Tränke,
wie gut, dass ich daran denke.
Den Anger hat man zum Festplatz gemacht
und ein schönes Denkmal dorthin gebracht.
Eine Erinnerung an Preußens Befreiungszeit,
als Schill, der Hitzkopf, zum Kampfe bereit.
Sich bei Dodendorf nach schwerem Verlust
nach Magdeburg zurückziehen musst.
Da hat auf dem Anger er Rast gemacht
Sonst hätte er Menschen und Pferde nicht mehr weiter gebracht.
Gasthäuser sind hier eine ganze Menge,
manche sind ja freilich ein bisschen enge.
Der „Weiße Schwan", der „Treppensturz" und „Unter den Linden"
ein guter Trunk ist überall zu finden.
Der „Schwarze Adler" und „Zum Kronprinz von Preußen"
und wie sie sonst noch alle heißen.
Sogar Restaurant „Germania".
Man sieht, es ist so ziemlich alles da.
Zwei große Kaufläden sind in unserem Orte
man kann hier Waren kaufen von jeder Sorte.
Winniguth und Dolke, so heißen die beiden;
wir möchten keinen von beiden meiden.
Liebe zu Heimat und Vaterland
wird eifrig gepflegt von jedem Stand.
Drum haben sich auch Vereine gegründet,
wo sich Angenehmes und Nützliches verbindet.
Ein Landwehr, ein Turn- und ein Fechtverein,
dieser ist ja noch ein bisschen klein.
Ein Gesellschaftsclub, drei Gesangsvereine
sind zu finden hier in unserer Gemeinde.
Das ist nun Langenweddingen, mein Heimatort,
er möge wachsen fort und fort,
dass jung und alt und groß und klein
stolz ist, ein Langenweddinger zu sein.

Olga Thielebein

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