Eine Hochzeit

Eine Tradition in Langenweddingen war es, dass sich die Männer des Ortes bei Hochzeiten vor der Kirche in Frack und Zylinder einfanden, um für das Brautpaar Spalier zu stehen.

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1916
Hochzeitsfoto der Familie Steffen
1916
Spalier stehen für das Brautpaar

Langenweddingen 1937
Martha Ida Reinhardt und Otto Willi Vorreyer
15.05 .1937
Hochzeit Von Martha Ida Reinhardt und Otto Willi Vorreyer

Ein Kurpfuscher

Zur Hochzeit eines Arztes oder Apothekers.
(In sächsischer Mundart - aufgeschrieben um 1900)


Scheen guden Abend, meine Herrn und Dam´.
Se nähms nich iewel, wenn ich Se hier schdere,
un machen Se meinswägen nich viel Kram,
weil ich doch eegendlich nich heergeheere.
Doch wie ich hier vorbei jetzt gehen dhad,
da heerd ich so zufällig uff´m Wege,
es hätte sich hier ohm verheierad,
von mir e sehr beriehmter Kollege.

Es wär eener, hiess es, der geschickd gurierd,
de granken Männer -  und de granken Frau´n,
doch wär´sch ihm noch midunder schon bassierd,
das seine Granken missten Erde gauen.
Ich rede nämlich – wie wir Sachsen sein,
   ganz frei und ohne schmeicheln von der Läber,
de dokdersch gelden bei mir allgemein,
als Lieferanden fer de Dodengräber.

Doch von der Sorde bin ich nämlich geener
und meine granken, die behandel ich derb.
Ich war se glei von Anfang an so eener,
bei dem se´s heessd; „Friss Vogel – oder schderb."
Ich bin se nämlich Dokdor Eisenbard,
Mich gennd de Weld als Brakdegus schon lange,
und ich guriere de Leit´ nach meiner Ard.
Mid Bradschbiess, Säge und mid Axt und Zange.

Verschdehn se, mit der jetz´gen Dokdorei,
mit Salben, Flaster – und mid Drobben – Billen,
das is fer mich der reene Mährdebrei,
das gann se geene Grankheed doch nich schdillen.
Da schicken se de Granken in e Bad.
Da wär´n se eingebackd und missen schwitzen.
Der Dokdor nimmd dafor e Haufen „Draht",
und dabei dhud der ganse Gram nischd nitzen.

Da lobe ich se, meine Heelmedohde,
ich mache nich so langes Federlesen.
Und schderbd sich beim Gurieren der Mensch zu Dode,
Da is er ähm nich zu guriern gewesen!
Wenn bei mir e Badzgende fiebern dhud,
da schdeck ich ihn ins Eis bis an de Ohren.
Ich sage se, da weichd de Fieberglud,
denn der is nachher mehrschdendeels erfroren.

Wenn eener iewer galde Beene glagd,
der sitzt bei mir uff glieh´nden Ofenroste.
Ich wedde druff, das der gee Word mehr sagd,
der frierd nich mehr, beim allergressten Froste.
Wenn eener bei mir rechden Gobbschmerz had,
und leiden gar de Weibsen an Migräne,
heerd eener schwer – und sein de Oogen madd,
und had er edwa ooch noch hohle Zähne,

da gäb ich ihm geen´ Abodekerschnabs,
in Gaffeeleffeln oder so in Drebbchen.
Nee der griegd uff´n Schädel e gleen´ Glabs,
ich sag se, der glagd nichd mehr iewer´sch Gebbchen.
Wenn eener nich gud Adem holen gann,
was heide bei de Dokdersch „Asthma" heessd,
Den häng´ ich e halb Stindchen bloss hier dran,
(zeigt eine Leine)
Ich schweere druff, der is sofort erleest.

Und wenn de Grankheed innewendig sitzd,
wo meine Inschdrumede nich mehr wärken,
da hab ich Medizin, die sicher nitzd,
wer die dringd,der dhud nachher nischd mehr ,merken.
Das Middelchen, das is se heechst brobad,
de Wärkung is se eene ungeheire,
die hilfd se immer gleich uff frischer dhad,
´s is nämlich echde, reene Schwefelseire.

E richt´gen Leffel voll dafon verschluckd,
das hilfd soford in jedem Grankheedsfalle,
mit geenen Glied der Granke sie mehr zuckd,
´s is gleich mid jedem Leiden grindlich alle.
De Dokdor=Heelgunst is der reene Gien,
ob Sanidädsrad oder ob Brofesser,
die wissen weider nischd als Medizien
und kitzeln heechstensmid e gleen´ Messer.

Ich gäb se darum hier mei Ehrenword,
de Dokdorsch wissen gar nichd vom Gurieren.
Und ihre Middel sein der reene Mord,
drum rad´ ich sie, nur meine einzufiehren.
Das hilfd – und machd beriehmt und ooch sehr reich,
und weil ich schon viel Geld zusammgeschlebbt,
so schenk ich sie mei ganzes Handwerkszeig
und ooch noch mei Universal=Rezebd.

(Reicht aus einem umgehangenen grossen Beutel alle folgenden Instrumente)

Hier – Messer, Hammer, Zange, Säge, Strick,
für alle schweren Ambudazigonen.
Das hielft im allererschden Oogenblick –
nur feste druff – und´s Handwerkszeig nich schonen.
Und hier is ooch de Schwefelseireflasche –
und ooch der Leffel noch zum neinfildrier´n,
hier – ham se ooch noch meine ganse Dasche,
damit se genn de Sachen dransbordier´n.

Da, häng´n se se gleich um, ´s is gans bequem.
´S giebt geene bessern Middelchen – als solche,
die helfen sie, da genn´se Gifft druff nehm´!
Na – lähm se wohl! – Rechd glickliche Erfolge!

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Quelle: " Der Hausfreund", Nr.6/7 Juni/Juli 1912, Seite 45/46, Ernst Moeller, Sup. AD. und Pfarrer in Langenweddingen

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