Evangelische und katholische Christen in Langenweddingen

Katholische Kirche Langenweddingen
Katholische Kirche Langenweddingen
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Als wanderfreudige Jungen aus Magdeburg  hat es  uns ge­reizt, in den Harz, auf den Huy oder auch nur in die Städte Halberstadt  und Quedlinburg  zu radeln. Wenn man auf der alten Landstraße von Magdeburg oder von Egeln auf Langenweddingen zufuhr, hatte man lange schon den spitzen Turm der Kirche vor sich.

Auch heute hat man den selben Eindruck bis man in die Umgehung einbiegen muss. Die Kirche von  Langenweddingen.  Welche, die katholische oder die evangelische? Als Kirche sichtbar ist nur die eine, die evangelische. Aber was sie sichtbar macht, der Turm, ist noch ein Zeichen aus einer christlichen Zeit, als es noch  keine Konfessionen gab, nur die eine Kirche.

An diesem typisch querrechteckigen romanischen Turm wurde die heutige evangelische Kirche 1703 angebaut. Es war klar: Um diese Zeit gab es in Langenweddingen und im näheren Umfeld schon 160 Jahre keine Katholiken mehr. Alles katholische Gemeindeleben war nach der Reformation etwa  1541 hier erloschen. Warum eigentlich so spät? Hingen die Langenweddinger noch so gern am "Alten"?

Die katholischen Zentren, die sich über die Reformation hinweg gehalten haben, lagen weiter entfernt und hatten sich um die Klöster erhalten. Erstaunlicherweise hielten sich die Klöster Meyendorf, Marienstuhl vor Egeln, Hamersleben, Hadmersleben, Adersleben lange über die Reformation hinaus bis zur Säkularisation 1810. Die genannten Klosterkirchen wurden zu katholischen Pfarrkirchen, weil sich meistens im Schatten der Klöster noch einige Familien den katholischen Glauben erhalten hatten. Von unserem Dorf Langenweddingen aus war aber sicher das katholische Christentum nicht im Blick, fremd,  nicht vorhanden.

Das wurde anders durch Zuzüge von Katholiken. Hier auf dem Lande waren es Arbeiter für die Landwirtschaft und die Zuckerindustrie, in den Städten waren es außer den Industriearbeitern auch Kaufleute, Handwerker und Intellektuelle. Mein eigener Großvater war Holzhändler vom Niederrhein und siedelte sich in Magdeburg an.

Diese Neuansiedlung geschah in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als erste Notwendigkeit sahen die katholischen Christen die Einrichtung  von katholischen  Schulen: In Schwaneberg, in Bahrendorf, in Sülldorf. Erst dann setzten sich die katholischen Gemeinden dafür ein, eine eigene katholische Kirche zu bauen.

Heute wundern wir uns darüber, warum man nicht die evangelischen Kirchen mitbenutzen konnte, aber damals war das undenkbar; von katholischer Seite aus um die eigene Identität zu wahren, von der evangelischen Seite aus auch weil das katholische Leben gar zu fremd schien.

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