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Lehrergehalt vor hundert Jahren

Bei der jetzt angenommenen Aufbesserung der Lehrergehälter ist es interessant, zu hören, wie früher die Dienste der „Schulhalter“ gelohnt wurden. Die „Dorfkirche“ bringt in ihrer letzten Nummer folgende Aufstellung aus Wittenberg, mit der die Besoldungen alter Gemeinden ziemlich übereinstimmen.

I. An Fixis

  1. Wohnstube, einen Alkoven und eine Kammer; vor dem Hause ein kleines Gärtchen, ein Hofraum und einen Kuhstall hinter dem Hause.
  2. Auf dem Damm einen Garten, 30 Schritt lang und ebenso breit, ingleichen die Benutzung der Maulbeerplantage.
  3. Fürs sonntägliche Lesen 11 Berliner Scheffel Roggen.
  4. Für die Predigt am stillen Freitag 3 Mandel Eier.
  5. Wenn Kommunion gehalten wird und am Erntefest jedes Mal
    5 Silbergroschen. von der Gemeinde.
  6. Jährlich an Opfer 7 Groschen 4 Pfennige.
  7. 52 Botten reinen Flachs.
  8. 13 Metzen Erbsen.
  9. Aus der königlichen Landschulkasse vom 1. Dezember bis ultimo Februar
    1 Taler 18 Silbergroschen.
  10. 13 Fuder Holz, welche ihm frei gefahren werden, die er aber selbst fällen muss; doch hat er außerdem frei Raff – und Leseholz.
  11. Weide- und Hütefreiheit für eine Kuh und zwei Schweine.
  12. Für Reinigung der Kirche, Laken waschen und Glocken schmieren aus der Kirche jährlich 8 Silbergroschen.

II. Accidenzien

  1. Schulgeld: die Leser und Buchstabierer 4 Silbergroschen, die Schreiber
    6 Silbergroschen vierteljährlich.
  2. Für eine Hochzeit 10 Silbergroschen, ein Tuch und die Mahlzeit, oder für letztere 3 Silbergroschen.
  3. Für eine Leiche, die still beigestzt wird bekommt er 2 Silbergroschen.
  4. Für eine Leiche mit Abdankung 17 Silbergroschen, die Mahlzeit oder 3 Silbergroschen. Wird aber vor der Tür noch ein zweites Lied verlangt, so wird dies besonders mit 2 Silbergroschen bezahlt.
  5. Eine Leiche, mit einer Leichenpredigt 14 Silbergroschen, ferner die Mahlzeit oder 3 Groschen.
  6. Für die Kommunion im Hause 1 Silbergroschen.
  7. Für eine Taufe 6 Silbergroschen und die Mahlzeit oder 3 Silbergroschen.

Das nannte man: „Die gute, alte Zeit!“ Jeder, der ein Verständnis für die Wichtigkeit, Verantwortlichkeit und Schwierigkeit des Erzieher- und Lehrerberufs hat, wird sich aufrichtig freuen, dass jene Zeiten vorüber sind.

Quelle: "Der Hausfreund“, Nr. 2/3 , Feb./März 1910, Seite 13 u. 13, Ernst Moeller, Sup. A.D. und Pfarrer in Langenweddingen

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